Stadumer Chronik

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Landschaft, Bodenstruktur, Flora und Fauna in alter Zeit. Die Moore

Als vor ca. 15 000 Jahren die Eiszeit in Schleswig-Holstein zu Ende ging, bildeten Moose, Flechten, Gräser und einzelne Beerensträucher eine erste spärliche Vegetation. Sonst war das Land von einer baumlosen Tundra bedeckt. Als erste Bäume tauchten dann vor 13 000 Jahren Birken auf und bald folgten die Kiefern. Um 9 000 v.Chr. war das Land weitgehend von einem Kiefern-/Birkenwald bedeckt. Gegen 8 000 v.Chr. kam es dann zu einer dauerhaften Erwärmung, und Birke und Kiefer verdrängten die tundraartige Steppe. Weitere 1 000 Jahre später bildeten die Kiefern einen geschlossenen Wald. Im Unterholz breitete sich in ungeheuren Mengen die Haselnuss aus, und wieder 1 500 Jahre später drangen von Süden her Linde, Ulme und Esche in die Wälder Schleswig-Holsteins vor. Ab 4.000 v.Chr. kamen Eiche und Erle hinzu, bildeten einen Eichenmischwald und verdrängte allmählich Linde und Ulme. Um 3 000 vor Chr. kam es zu einer Klimaverschlechterung. Als Folge dieser Entwicklung setzte sich die Buche, die zu einem Drittel weniger Licht als die Eiche braucht, immer mehr in unserem Klima durch und wurde zu einem festen Bestandteil unseres Waldes.      
Der Mensch wurde erst in im zweiten Jahrtausend unserer Zeitrechnung landschaftsbestimmender Faktor in Schleswig-Holstein, da dieses Gebiet  lange Zeit für Slawen, Sachsen und Skandinavier nur ein Durchzugsland war. Erst im 11. Jahrhundert, dem Übergang von der Wikingerzeit zum Hochmittelalter, wurden Kirchspiele, Dörfer und auch die ersten Städte gegründet. Die Urwälder, die weite Teile Schleswig-Holsteins bedeckten, schwanden zunehmend durch Brandrodung für Schiffs- und Hausbau, Ackerbau und Viehzucht und durch Nutzung als Brennholz. Landwirtschaftliche Flächen breiteten sich aus. Die Bauern ließen ihre Tiere frei laufen, und diese weideten radikal die Jungpflanzen ab und  ernährten sich fast ausschließlich von Eicheln und Bucheckern. Die ehemals dichten Wälder wurden so, ab dem 16.Jahrhundert, Opfer der Menschen, und die entstandene Kulturlandschaft blieb waldfrei, fast 300 Jahre lang.
In Schleswig-Holstein waren einstmals auch Wölfe und Bären heimisch. Die Wolfsrudel zogen durch die dichten Wälder, durch Heide- und Moorlandschaften und regulierten den Wildbestand. Doch Aberglaube und die gnadenlose Verfolgung durch staatlich angeordnete Jagden haben den scheuen Räuber aus unserer Landschaft verschwinden lassen. Nicht besser erging es Braunbären, Polarfuchs, Ur, Auerochse, Wisent, und Lux. Sie alle fielen  Jagdleidenschaft und Profitgier von Adel und Großgrundbesitzern zum Opfer. Seit etwa 1830, da wurde der letzte Wolf erschossen, gibt es keines  dieser urtümlichen Tiere mehr in unserer Heimat.



Ursprünglich auch bei uns heimisch, wilde Grauwölfe


Die Moore

Man unterscheidet Flach- und Hochmoore. Während die Flachmoore sich aus verlandeten, stark nährstoffhaltigen Seen gebildet haben, wuchsen die Hochmoore in abflusslosen, flachen Senken mit wasserunkdurchlässigen Steinschichten heran. Da die Wachstumsrate nur etwa 1 Millimeter pro Jahr betrug, war ein Hochmoor von 4 Metern Höhe etwa 4 000 Jahre alt.
Die Moore in unserer Landschaft entstanden also im Laufe vieler Jahrtausende aus abgestorbenen Pflanzen, die sich an Flachgewässern am Gewässergrund ablagerten und aufeinander schichteten. Unter dem Einfluss von Mikroorganismen entstand der Torf, je nach Grad der Zersetzung von unterschiedlich Konsistenz und Qualität.
Diese über Jahrtausende gewachsene Kulturlandschaft mit ihrer vielfältigen Flora und Fauna wurde durch radikalen Torfabbau zur Gewinnung von Heizmaterial vor allem nach den Weltkriegen, und ab den fünfziger Jahren auch im Zuge der Flurbereinigung durch Kultivierungsmaßnahmen dem Landbau zugeführt, und damit für alle Zeiten vernichtet.


Juli 2016                         © 2003 Langer/Knudsen                         Home