Stadumer Chronik

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Über die Geschichte und die Herkunft der Friesen.

Schleswig – Holstein ist ein relativ junges Land. Es entstand in den vergangenen
200 000 Jahren durch die eiszeitlichen Prozesse der sogenannten Saale- und Weichseleiszeit.
Die ältesten Spuren der Menschen in Norddeutschland fanden sich in einem Urstromtal bei Ahrensburg. Man stieß hier auf die Hinterlassenschaften nomandierender Jäger, die den durchziehenden großen Rentierherden folgten, welche das Tal als natürlichen Wanderweg nutzten.
Vergleichbare menschliche Spuren der vorchristlichen Zeit sind auch von der Festlandsgeest Nordfrieslands bekannt. Die jüngsten Funde, die in der Gemeinde Ahrenshöft bei Ausgrabungen von Mitarbeitern des archäologischen Landesamtes Schleswig gemacht wurden ( Pfeilspitzen und Schneidegeräte) bestätigen,  dass es sich hier um die ersten, noch gut erhaltenen Kurzzeit-Wohnplätze durchziehender Rentierjäger in Nordfriesland handelt. 
Die Jäger, die vor rund 15 000 Jahren durch Schleswig-Holstein streiften, hätten damals auf dem Grunde der heutigen Nordsee trockenen Fußes einen Jagdausflug nach England unternehmen können;  denn erst vor rund 6000 Jahren erhielt Schleswig-Holstein seine heutige Form. Es wurde immer wärmer, das Eis schmolz und es entstanden durch die von den abschmelzenden Gletschern mitgeführten Gesteins- und Geröllmassen die Grundlagen von Festland und Meeresküsten, die seither unser Landschaftsbild prägen.
Die Herkunft der Friesen, und damit auch der Ursprung der Stadumer Altvorderen, die der Überlieferung nach Angeln und Friesen waren, ist aber noch immer nicht genügend geklärt. Einer Sage nach wohnten einst in Island drei Brüder, nämlich Saxo, Bruno und Friso; sie wurden von dort vertrieben und kamen nach mancherlei Irrfahrten schließlich in die Nordsee.
Dort siedelten sie sich an einer flachen wüsten Gegend an, die sie in fruchtbares Land verwandelten.
Zuletzt teilten sie das Land und Friso, der sieben Söhne und eine Tochter namens Wimod  hatte, verheiratete diese an einen Mann vom Stamme der Chauken (Nachbarstamm der Friesen) und gab ihr ein Stück Land östlich der Weser mit. Jedem seiner sieben Söhne aber gab Friso ein besonderes Land. Sie liegen zusammen an der See und heißen die sieben Seelande. Sie erstreckten sich vom Flusse Sinkfal bei Brügge bis zur Wiedau.  
Bemerkung :
Die Namen der drei Brüder und ihr Herkunftsland sind wahrscheinlich erfunden.
Die Aufteilung Frieslands an die sieben Söhne entspricht jedoch den mittelalterlichen  Sieben Seelanden und bezieht sich auf das gesamte ehemalige und derzeitige Wohngebiet der Friesen
( West-, Ost- und Nordfriesland )
Erste Anzeichen von Ansiedlungen gab es hier ab dem dritten Jahrhundert vor Chr. Künstlich aufgeworfene Wohnhügel und Warften boten Platz für einzelne Häuser, später aber auch für ganze Dörfer. Die Nachfahren dieser Bevölkerungsgruppe wurden von den Römern um 12 v.Chr. als Frisii bezeichnet. Es waren Nachfolger einer Bevölkerung, die sich etwa ab dem 6.Jahrhundert v.Chr. im Bereich des heutigen Friesland angesiedelt hatte.
Der römische Geschichtsschreiber Cornelius Tacitus schreibt in seinen “Annales der römischen Geschichte der Jahre 14– 68“  über den „ Friesenaufstand von 28 n. Chr.“.
In demselben Jahre brachen die Friesen, ein Volk jenseits des Rheins, den Frieden, mehr infolge unserer Habsucht als aus Trotz gegen unsere Herrschaft. Drusus (römischer Feldherr und Bruder des Kaisers Tiberius) hatte ihnen in Rücksicht auf ihre dürftigen Verhältnisse einen mäßigen Tribut auferlegt: sie sollten für Heerzwecke Rinderhäute liefern.
Die Bedingung, die auch andere Völker nur schwer hätten erfüllen können, war um so drückender für die Friesen; denn wenn auch ihre Wälder reich an mächtigen Ungetümen sind, waren ihre zahmen Rinder jedoch klein. So lieferten die Friesen zu Anfang ihre Rinder, dann mussten sie auch ihre Frauen oder Kinder oder beides an Tribut leisten.
Die römischen Soldaten, die zur Erhebung des Tributs nach Friesland kamen, wurden von den Friesen angegriffen und ans Kreuz geschlagen. Seitdem hat der Name der Friesen unter den Germanen einen hellen Klang.
Entgegen dieser Darstellung schreibt Karl-Peter Kööp in „Aus der Erforschung der Flurnamen und Sprachenentwicklung“ 1981:
Der nordfriesische Raum hat in den ersten beiden Jahrhunderten n.Chr. eine Kontaktzone zwischen einem nordschleswigschen und einem westholsteinischen Kulturkreis gebildet.  
Das Fundgut des 3.4.und 5. Jahrhunderts in Nordfriesland zeigt nordische Elemente auf, was auf einen Zuzug aus dem anglisch-jütischen Bereich schließen läßt.
Überlieferten Landschaftsnamen weisen aber darauf hin, dass eine friesische Besiedlung der Geest erst ab dem 14.Jahrhundert wahrscheinlich ist.
Gesichert ist allerdings, dass sich im Laufe der Jahrhunderte eine große friesisch-dänische Rassenmischung vollzogen hat, denn in der Karrharde haben Friesen und Dänen tatsächlich über Jahrhunderte Haus an Haus gewohnt.
Ebenso gibt es schriftlichen Nachweise über die Anwesenheit friesischer Siedler an der schleswigschen Westküste aus der zweiten Hälfte des 12.Jahrhunderts. Der dänische Gelehrte Saxo Grammaticus schreibt um 1180 über Frisia Minor (Kleinfriesland)
Es fügt sich an Jütland an und bietet reichen Fruchtertrag dank der Bewässerung durch den einflutenden Ozean. Als Flachland dehnt es sich unmittelbar am Ozean aus, so dass es bisweilen von seinen Fluten überspült wird. Damit diese nicht einbrechen, ist das ganze Gestade mit einem Damm eingefasst.
Über die Menschen schreibt er:
Die Bewohner sind von Natur wild, körperlich gewandt, wollen von einer einengenden und schweren Rüstung nichts wissen, haben nur kleine Schilde und kämpfen mit Wurfwaffen. Die Äcker umgeben sie mit Gräben, sie springen mit kleinen Stangen. Ihre Häuser bauen sie auf künstliche Erderhöhungen.  
Die Nordsee nennen sie „ Mare Frisicum“, das „Friesische Meer“. Das sie von den Friesen herstammen, bezeugt der gleiche Name und die gleiche Sprache; als diese neue Sitze suchten, kam ihnen zufällig dieses Land in den Weg; zunächst war es sumpfig und feucht, in langer Arbeit haben sie es trocken gelegt.  
Im Nord- und Ostseehandel erreichten vermögende friesische Kaufleute großen Einfluss, besonders im wichtigen Handelsplatz Haitabu an der schleswigschen Landenge. Sie verdankten ihren Wohlstand vor allem Ackerbau und Viehzucht sowie Produktion und Verkauf des durch Salztorfabbau gewonnenen „ Friesischen Salzes“.
Als Handelswaren wurden von den Friesen Tuche eingebracht, und als Vermittler aus dem Norden schleusten sie wohl auch Pelze und Wahlrosselfenbein in den Westen. Der Handel wurde hier nicht mehr in Form des zu der Zeit noch allgemein üblichen Naturaltausches durchgeführt, sondern bereits als Geldhandel mit Silber als Zahlungsmittel.
Die friesischen Händler fuhren mit ihren Schiffen schon zu Zeiten der Herrschaft des  Karolinger Karl Martell bis nach Nordfrankreich und England,  vor allem aber nach Dänemark. Sie waren damals eigentlich überall da zu finden, wohin sie auf dem Wasserwege mit ihren Waren gelangen konnten. Über Eider, Treene und Schlei wurden die Seegebiete dem Handel erschlossen, der zentrale Raum ihres Verkehrsnetzes aber war die Nordsee.
Aufgrund ihres Wohlstandes mussten die Friesen erneut relativ hohe Abgaben an die jeweils Herrschenden zahlen. Das Erdbuch König Waldemars II weist die königlichen Einnahmen aus dem Herzogtum Schleswig aus. Danach zahlte die Karrharde  im Jahre 1231 an den König 50 Mark Fein (Silber). Das entsprach einem für 1912 ermittelten Umrechnungswert von 2050 Mark.
Die nordfriesischen Harden in den Grenzen um 1240.
Handzeichnung nach Lorenz Konrad Peters 1929
Der Abgabenzwang forderte den Widerstand der Friesen heraus. Sie wiesen die königlichen Ansprüche mit der Begründung zurück, dass sie als Bewohner der Nordseeküste bereits für die Sicherung ihres Lebensraumes mit Deichen und Entwässerungsanlagen hohe Ausgaben aufbringen mussten. Mit ihrem Widerstand versuchten sie auch, ein gewisses Maß ihrer Unabhängigkeit zu bewahren. Diesem, den Friesen seit jeher nachgesagten Drang zur Unabhängigkeit, trug das legendäre Privileg Karls des Großen, die sogenannte „Reichsunmittelbarkeit“, auch friesische Freiheit genannt, schon im 9.Jahrhundert Rechnung. Sie  sicherte den Friesen Freiheit vor Hörigkeit und Fürstengewalt zu und stellte sie unter den direkten Schutz des Kaisers.
Obwohl die Existenz dieser Urkunde, die im 13.Jahrhundert auftauchte, als nicht gesichert bzw. als Fälschung gilt, wurden die darin genannten Vorrechte wie Steuerfreiheit und Freiheit von allen Dienstbarkeiten und Fron 1493 von Kaiser Sigismund erneut bestätigt.


Juli 2016                         © 2003 Langer/Knudsen                         Home