Stadumer Chronik

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Die Stadumer Vorfahren (1)

Um 450 n. Chr. waren einer Sage nach die damaligen Bewohner des späteren Herzogtums Schleswig,  Angeln und Friesen. Nachweisbar sind Ansiedlungen von Menschen aber erst sehr viel später. Der Chronist Jonas Hoyer gibt, wie schon Saxo Grammaticus, als Zeit der frühen Besiedlung das zwölfte Jahrhundert mit der  Gründung der Stadt Flensburg an, sagt aber auch, das Leck ein sehr alter Ort ist, älter als Flensburg.

Und wie war das  mit Stadum?
Dr. Clement von Amrum führt in seinem Werk an, dass in Britannien die Namen Stathum = Stadum und Holt in Norfolk auftauchen. Kann man also davon ausgehen, dass die Ortsnamen von den friesischen Einwanderern stammen, die im Zuge der Völkerwanderung ab 449 n.Chr. in Britannien einwanderten?
Der Heimatforscher Albert Panten aus Niebüll, der als bester Kenner unserer Geschichte gilt, verweist in seiner Beschreibung „aus der Geschichte der Dörfer Holzacker und Stadum“ von 1986  auf  eine Beschreibung des Kirchspiels Enge von 1768. Hier taucht in einer Sage die Vermutung auf, dass die Dörfer Klintum und Stadum die ersten  bebauten Stellen in der südlichen Karrharde zwischen dem Langenberg und der Soholmer Au gewesen sein sollen. Schriftliche Aufzeichnungen über unser Dorf gibt es aber erst ab dem späten Mittelalter. So stellte sich die Frage: Gab es vor dieser Zeit in unserer  Gegend schon Ansiedlungen?
Als 1976 auf dem Grundstück der Familie Dede in der Straße Toften ein Rinderskelett gefunden wurde, ließ das Amt für Vor- und Frühgeschichte in Schleswig ein Gutachten erstellen. Danach handelte es sich um das gut erhaltene Skelett eines Hausrindes, dass seiner Lage nach in einer Hügelmulde verendete. Laboruntersuchungen ergaben, dass das Rind etwa 2 Jahre alt war und im 4. Jahrhundert n. Chr. gelebt hat
Lässt dieser Fund nun die Schlussfolgerung zu, dass es auf dem heutigen Stadumer Territorium schon im 4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung Ansiedlungen gegeben hat? Da es keine weiteren Beweise dafür gibt, bestätigt der Fund allenfalls die Sage. Sie berichtet, dass eines der größten Langschiffe, auf dem die Angeler, Sachsen, Friesen und Jüten im Zuge der Völkerwanderung  ihre erste Fahrt nach Britannien antraten, um 449 n.Chr. von Leck abgegangen sein soll.
Der Prediger und Chronist M. Anton Heimreich bestätigt dies in seiner Nordfriesischen Chronik 1668, in der er schreibt:
 Bei diesem nach England geschehenen Zug sich auch Fresen haben gefunden,  wie die große Verwandtnis der jetzigen Englischen Sprache  mit hiesiger Fresischen solches bekräftigen.
Tatsächlich lassen sich in Stadum und seiner Umgebung Siedlungen der mittleren Steinzeit ( ab 8000 v.Chr. ) bis zur Eisenzeit ( ab 500 v.Chr. ) nachweisen. In der Nähe des Heideberges, der mit 43 m über normal Null höchsten Erhebung auf Stadumer Gebiet im heutigen Langenberger Forst, befinden sich noch zwei Hügelgräber in gut erhaltenem Zustand. Sie deuten auf die Bronzezeit (ab 1500 v.Chr.) hin.
Zu der Zeit stiegen die Fluten der Nordsee noch bis an den Geestrand und es ist daher zu vermuten, dass hier die westlichsten Siedlungen der damaligen Bewohner gelegen haben. Da in Joldelund und Drelsdorf  verschiedene Funde ( Faustkeile ) der mittleren Altsteinzeit darauf schließen lassen, dass der Steinzeitmensch oder seine nahen Verwandten hier gelebt haben, müssen sich diese Zeitgenossen wohl auf dem hohen Geestrücken angesiedelt haben; denn nur hier waren sie vor den Nordseefluten sicher.

Ein Faustkeil aus Drelsdorf ist das älteste Zeugnis der Anwesenheit 
von Menschen im nordfriesischen Raum aus der mittleren Altsteinzeit.

Diese Vermutung wird auch unterstützt durch den Fund eines Steinbeiles in Klixbüll im Dezember 1999. Eine Analyse des Instituts für Vor- und Frühgeschichte in Schleswig ordnet den Fund  als Jagd- und Streitaxt bzw. als ein Gerät zum Holzfällen ein, das um 1600 vor Chr. (Übergang von der Steinzeit zur Bronzezeit ) benutzt wurde.
Albert Panten schreibt, dass der Name Stadum ein Ausdruck für Wohnstätte ist, und da es keine weitere Charakterisierung  durch Personennamen oder eine Geländebeschreibung gibt, steht der Name Stadum  für eine Ansiedlung, neben der es keine weiteren Dörfer oder standfeste Siedlungen gab. Diese entwickelten sich erst später und sind nach Naturbegebenheitenbenannt. Dazu gehörte, nach herkömmlicher Meinung auch Holzacker,  das seine Entstehung im Namen trägt. Durch eine Rodung im Wald entstand Ackerland, dem sich dann Häuser zugesellten. Damit war das Dorf als Aussiedlung Stadums geboren. Neuere Untersuchungen zeigen aber, dass im Namen der männliche Vorname Holde verborgen ist, das jetzige Dorf entstand aus seinen Äckern; der Namensgeber wohnte südlich des jetzigen Dorfes, der Platz ist aktenkundig.   
  


Juli 2016                         © 2003 Langer/Knudsen                         Home