Stadumer Chronik

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Die Stadumer Vorfahren (2)

Die schleswigschen Landedelleute des 12/13 Jahrhunderts, die durch ihre Unterstützung dem Kirchspiel Enge ermöglichten, einen eigenen Priester anzustellen, hatten königliche Privilegien wie z.b. Steuerfreiheit erhalten, weil sie Kriegsdienste zu Pferde leisteten. Im Laufe der Zeit spielten diese Herrenmannen auf dem Land eine herausragende Rolle. Das zeigte sich in größerem Landbesitz und in einer Anzahl von Pachtbauern,  sowie in kleineren Turmhügelburgen, die zusammen mit dem Wirtschaftshof den Zunamen  Gaard  = dänisch Hof erhielten.
Fast in jedem Kirchspiel gab es einen dieser Herrenmannen, denen es im Laufe der Zeit gelungen war, sich große Areale an Ländereien zu sichern. So besaß um 1430 Claus Lausen ganz Stadum und Holzacker, während Jes Petersen ganz Schardebüll und Teile von Enge sein eigen nannte.
Auch in Stadum gab es eine solche Anlage,  einen ehemaligen Edelhof namens
Stadumgaard,  dessen Besitzer im 15.  Jahrhundert die Familie „Auf der Heide“ war.
In einer topographischen Beschreibung  heißt es:
Ein langgestreckter Hügel von geringer Höhe, südlich vom Schwarzen Strom und westlich des Gutes Fresenhagen gelegen, deutet auf einen Turmhügel hin.
Hier wurden gebrannte Steine und Keramik aus dem Mittelalter gefunden. Bis zur Flurbereinigung führte ein Damm von Süden an die Kuppe heran. Lange Zeit wurde angenommen, es handele sich um den Standort der Turmhügelburg Stadumgaard, doch neueren Erkenntnissen Albert Pantens zufolge
lag Stadumgaard im Dorfe Stadum, nicht bei Fresenhagen. Bei der Fundstelle auf Fresenhagener Gebiet handelt es sich danach um den Vorgängerhof Pükebüll.
In einer lokalen Überlieferung wird dieser Hügel auch  Junker Wolfs Schloss - oder Grab genannt.
Nicolay Thaysen, der Besitzer Fresenhagens seit 1960 sagte, dass der Hügel bedeutungslos gewesen sei, und zum Zwecke des Wegebaus abgetragen wurde. Das Gebiet war vor der Entwässerung moorig. Keramik und Scherben wurden auch nur am Standort des alten Gutshauses gefunden, das ca. 400 m westlich des heutigen Hauses lag.
Die Existenz dieser Anlage ist, allerdings nur beweisbar  aus Urkunden,  in denen Stadum nachweislich schriftlich zum ersten Mal erwähnt wird. Diese Schriftstücke entstanden anlässlich des Verkaufs zahlreicher Besitzungen der Nachfahren jener Herrenmannen des Mittelalters,  die im 15.  Jahrhundert finanziell und militärisch dann nicht mehr mithalten konnten, und wieder in den Bauernstand  zurückversetzt wurden.
In der Schröderschen  Topographie von 1837 wird Stadum wie folgt beschrieben:
Stadum, friesisch Stadem,  Dorf 3 ¼ M. südöstlich von Leck, Kirchspiel Leck. Dieses ansehnliche Dorf enthält :  1 Dreiviertelbohle, 4 Viertelbohlen, 17 Kathen, 8 Instenstellen und drei kleine Parcelen. Von diesen gehören Dreiviertelbohlen, 2 Halbbohlen, zwei Dreiachtelbohlen 6 Kathen und zwei Instenstellen zum vormaligen Domkapiteldistricte, zwei Halbbohlen und zwei Kathen zur Mohrkirchade, 15 Halbbohlen, 12 Kathen, 5 Instenstellen und drei Parcelen zum Gute Fresenhagen, das übrige zum Amte Tondern. Wirtshäuser sind hier zwei, von welchen das eine an der Landstraße von Flensburg nach Leck, Stadumwadt genannt wird. Zum Dorfe gehören 2 Armenhäuser. Handwerker : 1 Schmied, 1 Rademacher, 1 Drechsler, ein Schuster, zwei Schneider und eine Districtschule (70 Kinder) Die südlich vom Dorf gelegene Erbpachtmühle gehört zum Gute Fresenhagen; die Königlichen Stellen sind zur Langenberger, - und die Domcapitels-Stellen zur Stedesander - Mühle zwangsverpflichtet. Das Dorf hat eine hohe Lage und nur mageres Acker- und Weideland; die Wiesen sind für den Bedarf kaum ausreichend, da vormals ein Theil derselben an die benachbarten Dörfer Holzacker und Soholm verkauft ist; mehrere Einwohner müssen ihr Heu etwa 1 ½ M. westlich von Stadum aus dem Störtewerker- und Kohlendammerkooge holen, welches Land sie zum Theil als Eigentum, zum Theil als zur Miete haben.
Die spätere Topographie des Herzogtums Schleswig von Hennig Oldekop v. 1906 beschreibt Stadum:
Stadum, nordfriesisch Staarem, dänisch Stajm, 24 km südöstlich von Tondern,  beidseitig der Flensburger Chaussee, 2 km östlich der als Kreisgrenze dienenden Spölbek, einem Nebenarm der Schafflunder Au. Flächeninhalt 1074 ha, ca. 552 ha besteht  aus magerem Ackerland, 158 ha  Wiesen und 85 ha Weiden. Durchschnittlicher Reinertrag vom ha Acker 9,48 M, Wiesen 15,40 M. 59 Wohng. 300 Einwohner, 60 Pferde,466 Rinder 81 Schafe.
Gemeindevorsteher: Peter Christian Thomsen.
Das ansehnliche Dorf  hat östlich hügeliges Terrain mit dem Heideberg, welcher an den Langenberg bei Klintum grenzt.
Die Lage der Ländereien ist niedrig, nach der Au zu erstrecken sich Wiesen. Die Mühle liegt an der Südseite des Dorfes.
Früher gehörten 3 Bohlst. 15 Landst.3 Instenst. zum Amt Tondern, 5 Bohlst. zum  Schleswigschen Domkapitel. 2 Halbhufen und 2 Katen zum Amt Gottorf, 15 Halbh. 12 Landst. 3 Parzellen. 5 Instenst. zum Gut Fresenhagen. Ein ehemaliger Edelhof hieß Stadumgaard, dessen Besitzer im 15.Jahrhundert die Familie „Auf der Heide“ war. Jetzt hat Stadum 34 Besitzungen verschiedener Größe, das Land ist mittelgut, die Wiesen gut. Zweiklassige Schule mit zwei Lehrern, 1 Legat von Lucia Siewertsen.
Westlich vom Dorf,  an der Landstraße nach Enge, liegt das Fischerhaus, eine Landstelle unter 50 ha. Zum Dorfe gehören  Meierei, Kaufmann, Schmiede, 7 Handwerker, 3 Wirtschaften,  davon eine Abstinentenwirtschaft*. Die eine an der Landstraße von Flensburg nach Leck gelegene nennt sich Stadumwadt oder Rosenberg*,
1 Stelle über 50 ha und Wirtshaus. Nordstadum, nahe an Stadumwadt grenzend, 5 Stellen, davon 1 über 50 ha. Stadumfeld, 18 Wohng. 110 Erwachsene, im Norden und Westen zerstreut liegend. Wester-Heide, Krüwely, nw. vom Dorf, 2 Stellen unter 25 ha.  
Anmerkung :
··    Die Abstinentenwirtschaft war-  nach den Erzählungen älterer Stadumer- in dem  Strohdachhaus von Magdalene Jensen untergebracht. Warum eine solche im Dorf existierte, war nicht zweifelsfrei  feststellbar. Mündlichen Überlieferungen zufolge handelte es sich um eine Einrichtung des Guttempler-Ordens. (Blaukreuzler)
·    Der Name Rosenberg leitet sich ab von den vielen Bourbonhybriden, einer rubinroten, purpurn schattierten Rosenart mit dem Namen „Great Western“  die an den Gartenlauben des Gasthofes vom Sommer bis in den Herbst leuchteten. Mariechen Kühl erzählte uns, dass der Name der Rose von dem ersten Schaufelrad- Postdampfer herrührt, der die Fahrt von England nach New York ohne Unterbrechung in nur 15 Tagen bewältigte. Im Garten von  Mariechen Kühl blühte noch 2001 diese schöne alte Rosenart.    
Über Holzacker steht in den erwähnten Topographien:
Holzacker, dänisch  Holjsacher, nordfriesisch Holseeker  Dorf,  25 km  südöstlich von Tondern,  Kirchspiel Enge, enthält 13 Hufen,  1Kate und 2 Instenstellen,  von denen 9 Hufen und 2 Instenstellen zum Gut Fresenhagen und 2 Hufen,  1 Kate und 2 Freibondstellen zum Amte Tondern gehören.  Handwerker : 1 Schmied, 1 Tischler,  1 Böttcher.  Im Dorfe ist ein privilegiertes Wirtshaus und eine Schule.  (12 Kinder )Das Dorf hat ziemlich fruchtbaren Boden, die Wiesen,  welche sich mehrheitlich an der östlich liegenden Aue befinden,  liefern ausreichend Heu. Auch hat es Torfmoor zum eigenen Bedarfe genug.  
Zu der  Zeit existierte auf der Geest als Bezeichnug für einen bestimmten Landschaftsbereich die Einheit des Syssel, das jeweils mehrere Harden umfasste.Die Bezeichnung Harde hatte wohl militärische Bedeutung, übersetzbar mit Heerbezirk. In der Historie bezeichnete die Harde einen Rechtsbezirk mit eigener Gerichtsversammlung ( Ding )  
Um 1458 schied sich  die Bevölkerung der Karrharde wie auch in den übrigen Geestharden in
Bonden  : das waren freie Bauern als  Eigentümer von Häusern mit Landnutzungsrecht.
Lansten :  wirtschaftlich selbständige Bauern mit eigenen Häusern, die aber von Grundherren wie Landesherrn, Bischof, Kirche oder Kloster abhängig waren.Sie zahlten für das Land ein Festegeld, dass immer auf gleicher Höhe blieb  
Kätner   :  Bewohner eines von einem Hof abgelegenen Hauses ohne eigenes Landnutzungsrecht. Bauern und Lansten erhielten derzeit von Herzog Adolf Privilegienbriefe auf Güter, die sie durch Erbgang, Kauf oder Pfändung von Freimannen erworben hatten.   
1486 wird der Ort Stadum nachweislich erstmals urkundlich erwähnt.
Wir wissen, dass den Historikern jede Festlegung eines Datums als  Geburtstag eines Ortes nie so recht gefällt, doch es muss dennoch berichtet werden, dass das Fragment der Originalverkaufsurkunde, die in einem Kopenhagener Archiv gefunden wurde, zweifelsfrei das Datum vom  20.  Dezember 1486 ausweist.


Das Fragment der Original-Verkaufsurkunde
 vom 20.Dezember 1486 und eine frühe Übersetzung

Danach verkaufte also Andreas Kalsen zu Holzacker dem Domkapitel am Schleswiger Dom seinen Hof in Holzacker,  den halben Gaarden in Stadum und ein Halbgut daneben für 200 Mark  Am selben Tag kaufte das Domkapitel von Christian Jessen in Schardebüll für 800 Mark vier Höfe,  die Hälfte der Feldmark Holzacker und den halben Gaarden zu Stadum.  Christian Jessens Vater, Jes Petersen, hatte seinen Anteil bereits 1460 an Wulf von der Wisch veräußert.
Hier taucht also bereits die adelige Familie v. d Wisch auf, die später in der Geschichte Stadums und Holzackers eine wesentliche Rolle spielen sollte, und die mit adeliger Gewalt über die Gegend östlich Lecks von Stadum im Süden,  bis weit in die nördliche Karrharde von 1496 bis 1669, also 173 Jahre, herrschte.
 

 

Juli 2016                         © 2003 Langer/Knudsen                         Home