Stadumer Chronik

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Christianisierung und lutherische Reformation in Nordfriesland

Erst seit dem 6. Jahrhundert n. Chr. sind in Friesland Könige und Herzöge überliefert, und ab dem 
7. Jahrhundert setzte eine allmähliche Christianisierung des Landes ein. Doch weil diese mit der Expansion des Frankenreiches einherging, stieß sie bei den Friesen anfangs auf Widerstand. 
Einer Erzählung nach wurde der englische Missionar Bonifatius von dem Frankenherrscher Karl Martell nach Friesland gesandt, um die Friesen vom heidnischen Glauben abzubringen. 
Er und sein gesamtes Gefolge wurden im Jahre 754 von „etlichen Schurken“ erschlagen. 
Erst um 1100 wurden dann auch hierzulande die ersten Kirchen, wie z.B. die Domkirche in Schleswig ( um 1134) und die Breklumer Kirche gebaut. Um 1300 lagen die Hauptkirchen der Karrharde in Leck, Humptrup und Karlum. 
Viele dieser Kirchen wurden durch Sturmfluten und Kriege vernichtet. In alten Kirchenlisten ist nachzulesen, dass zwischen dem Beginn des 14. und der Mitte des 15. Jahrhunderts insgesamt 133 Kirchen in Nordfriesland vernichtet wurden. 
Auch die Lecker Kirche ST. Willehad, ein romanischer Bau, der Mitte des 12. Jahrhunderts errichtet wurde, nahm großen Schaden, als 1872 durch ein Feuer der reetgedeckte Turm aus dem 16.Jahrhundert ausbrannte. Der Neubau des Turmes wurde 1875 als neugotischer Backsteinbau mit geschrägtem Sockel errichtet. Der Name St.-Willehad leitet sich ab von dem ersten Bischof von Bremen, der aus Nordhumbrien/Britannien stammte und als „Apostel der Friesen“ bekannt wurde.
Als erster evangelischer Pastor in Leck wirkte von 1527-1530 Detlef Paysen.


Die Lecker Kirche ST. Willehad

Zu der Zeit musste jeder Christ den zehnten Teil seines Einkommens, also auch Naturalien, der Kirche geben. Von dieser Abgabe erhielt ein Drittel der Priester, das zweite Drittel wurde für Bau und Erhalt der Kirche verwendet, und das dritte Drittel stand dem Bischhof zu. 
Der unterste Distrikt in der Kirchenhirachie war der Pfarrbezirk oder das Kirchspiel, dem der Pfarrherr oder Priester vorstand. 
Seine Einkünfte bezog der Priester neben der Nutzung des Grundbesitzes der Kirche und des „Zehnten“, aus den Opfergaben, die an hohen Festtagen, bei Beerdigungen, Hochzeiten und Taufen gegeben wurden. Außerdem hatte er das Recht, Testamente aufzusetzen, und dafür eine Gebühr zu erheben. Diese Einnahmequelle endete für den Pastor allerdings mit Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches am 31.Dezember 1899. 
Als 1898 das Pfarrbesoldungsgesetz in Kraft trat, erhielt der Pastor ein festes Gehalt. 
Drakonische Strafen drohten den Gläubigen durch die sogenannte „ Kirchenbuße“.
Noch Mitte des 17. Jahrhunderts wurde für die Verächtlingmachung der heiligen Sakramente und für Personen, die über längere Zeit nicht zum Abendmahl gingen gem. königlicher Verordnung von 1656 eine Landesverweisung angedroht.
Die Altarbuße war wohl die härteste Kirchenbuße in dieser Zeit. Sie sah vor, dass die gesamte Familie von allen kirchlichen Handlungen und Gnadenmitteln ausgeschlossen wurde. Wer als Geächteter starb, wurde wie ein Selbstmörder neben dem Kirchhofwall verscharrt. 
Bis 1359 gehörten Stadum und Holzacker zum Kirchspiel Leck. Zu der Zeit waren hier noch alle Bewohner römisch – katholischen Glaubens. Erst um 1536 wurde die Reformation mit landesherrlichem Erlass von König Christian III in seinem Reich eingeführt. Die Kirchenordnung für die Herzogtümer Schleswig und Holstein trat 1542 in Kraft und die Gemeinden zwischen Elbe und Königsau wurden in eine evangelisch – lutherische Kirchenordnung und in die neue Staatskirche eingegliedert. Seither gehören die Nordfriesen und damit auch die Stadumer überwiegend dem evangelisch- lutherischen Glauben an. 
Eigene kirchliche Räume gab es in Stadum aber früher nie. Erst aus Mittel der Dorferneuerung und mit Hilfe der evangelischen Kirchengemeinde Leck war es möglich, dass ehemalige Bürogebäude der Raiffeisenbank 1989 zum Kirchenhaus umzubauen.


Das Kirchenhaus in Stadum

Holzacker wurde
nach 1359 ein Teil des Kirchspiels Enge. Aufgrund der Unterstützung vermögender Einwohner, die wahrscheinlich dem schleswigschen Landadel angehörten, konnte die Kapelle der heiligen Katharina in Enge einen eigenen Priester anstellen.
Der sonntägliche Kirchgang bereitete vielen Menschen aufgrund großer Entfernungen und schlechter Wege oftmals Probleme. In Stadum gab es keine Kirche, und der Fresenhagener Adel, der für den Bau einer solchen zuständig gewesen wäre, orientierte sich zum Kirchspiel Leck. Die Kirchgänger mussten also über die schlechten Wege zu Fuß oder mit Pferd und Wagen die lange Strecke hin und zurück bewältigen. Und oftmals schliefen die Leute während der Messe übermüdet ein. 
Das die Menschen den Aufenthalt in den Kirchen zu allen Zeiten auch hin und wieder mal zu einem Schläfchen nutzten, wird durch folgendes Ereignis belegt: 
Am 17. Mai 1846 erging folgendes Reskript Christian VIII von Dänemark an das für die Kirchenverwaltung zuständige Stift Aarhus : 
Nachdem wir in Erfahrung gebracht haben, dass das Schlafen in den Kirchen allzu sehr überhand nimmt, verordnen wir allergnädigst, dass in jeder Gemeinde des Stifts einige Männer angestellt werden, welche in den Kirchen umhergehen und mit einer langen Klatsche die Leute auf den Kopf schlagen, welche schlafen, und auf diese Weise die Kirchgänger wach halten.
  


Juli 2016                         © 2003 Langer/Knudsen                         Home