Stadumer Chronik

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Aus der Geschichte des adeligen Gutes Fresenhagen.

Der Name des Gutes, Fresenhagen, ist wohl niederdeutscher Herkunft. Darauf weisen die dänischen und friesischen Formen Fresenhawen und Friesenhuuwen hin. Der Historiker A. Bjerrum übersetzte den Namen auch mit Hagen, d.h. eingehegte Rodung bzw. Siedlung der Friesen.
Nach den Meierschen Karten in Caspar Dankwerths Landesbeschreibung von 1652 soll Fresenhagen der östlichste Landungsplatz der Friesen gewesen sein.
Fresenhagen = Hafen der Friesen oder auch Freihafen. 
Als das Gut ins Licht der Geschichte tritt, ist es zu Schiff von der Nordsee her bestimmt nicht mehr zu erreichen gewesen, da die Köge vor Leck schon um die Mitte des 15.Jahrhunderts eingedeicht wurden, und die Lecker Au somit keinen ungehinderten Zugang mehr vom und zum Meer bot. 
In seiner über 500 jährigen Geschichte hat das Gut manche Höhen und Tiefen erlebt.
So war es, was benachbarte Güter in der Umgebung nicht von sich behaupen können, für mehrere Generationen im Besitz der gleichen Adelsfamilie, nämlich derer "von der Wisch".
Es ist beurkundet, 
dass 1490 Teile der Stadumer und Holzackeraner Besitzungen in das Eigentum von Bauern gelangten, die zur Schicht der sogenannten Freibonden zählten. Das waren Bauern, die ehemalige Herrenmannen-Besitzungen erworben hatten, und es gab davon in der Karrharde eine große Anzahl. Doch ein Teil von ihnen geriet alsbald erneut in Abhängigkeit, diesmal in den Besitz des Hans von Ahlefeld, der diese Höfe an den dänischen König verkaufte. Verwaltungsmäßig gehörten sie dann zum Amt Flensburg. Es tauchen die Namen von Sönke Modersen, Olderson Petersen, Nils Volquardsen, Broder Andersen, Anders Rickwardsen, Broder Tamsen und Peter Brodersen aus Stadum, sowie Jeppe Towsen, Sten Meyesen und Jens Danklefsen aus Holzacker in der Flensburger Amtsrechnung von 1499 auf
.
Nachdem um ca. 1496 das adelige Geschlecht von der Wisch Besitzer von Fresenhagen wurde,  befand sich das Gut zwischenzeitlich über zwei Jahrzehnte im Besitz der dänischen Könige, da König Johann  den Herrensitz von Edelmann Hans von Ahlefeld um 1513 gekauft hatte.
Den Grundstock einer umfangreichen Güterstreuung in den Harden, auch in der Karrharde,  hat Detlef von der Wisch gelegt. Er war der sechste von sieben Söhnen des Wulf v.d. Wisch und ist zusammen mit dreien seiner Brüder in der Schlacht bei Hemmingstedt in Dithmarschen gefallen.
Sein Sohn Jürgen wird nach den vorliegenden Urkunden ausdrücklich als Besitzer des Gutes in „Friesenhagen“ genannt, dass er  von König Christian III kaufte.
Im Kaufbrief  Christiani, datiert Donnerstag nach Matthäi 1534 heißt es,  dass das Gut Fresenhagen ausgedehnte Ländereien in Westre, Karlum, Uphusum, Achtrup,  Lütjenhorn, Stadum, Holzacker, Knorburg, Enge, Schardebüll, Klintum und Ellund besaß.
Der Verkauf geschehe:  „sonderlich tho redding unser Lande und Lüde, de itzunder mit swehre Kriegeshendelinge durch die von Lübeck und ere anhangere, ahne rädelicke Uhrsacke angefechtet und belastet werden.“  
In Wahrheit brauchten die Fürsten, und besonders auch König Christian III Geld, um Krieg führen zu können, denn es war die Zeit der Grafenfehde.
In dem Kaufbrief werden 36 einzelne Besitztümer aufgezählt, und der neue Herr
erwirbt sie  „mit allen Rechte und gerichte, Hohest, mittelst und siedesten in Halß und Hand“, darunter also auch das erheblich vergrößerte Gut Fresenhagen sowie sein Stammgut Olpenitz. Jürgen von der Wisch, der seiner Gemahlin 1551 das Dorf Lütjenhorn zum Leibgeding gegeben hatte, stirbt 12 Jahre später. Man geht davon aus, dass er auch den damaligen Herrenhof errichtet hat.      
Zum Fresenhagener Besitz gehörten aus Holzacker vier Höfe, auf denen Pone Harresen,  Ketel Stensen,  Kalle Andresen und Margret Trulsen saßen ,  während aus Stadum Lütke Sünke Nissen,  Nils Ocksen,  Harke Nissen,  Sünke Jensen,  Heine Düchsen,  Broder Petersen,  Berent Jensen,  Ricke Ketelsen und Bo Andresen aufgeführt waren.  
Um 1576 begann eine Auseinandersetzung um die Grenze Stadums gegen Schardebüll,  die sich bis 1586 hinzog. Im selben Jahr prozessierte Wulf von der Wisch mit den Soholmern und Holzackeranern um die Grenzen gegen Stadum.
1587 löste Wulf von der Wisch vier Äcker von der Lecker  Kirche ein,  die einst Sönne Andersen gestiftet hatte. Es handelte sich dabei um Land  beim Wadtberg, beim Kirchenweg , in Schabeltoft und westlich von Spyallm. Der Streit mit den Soholmern zog sich bis 1615 hin,  der Streit um die Grenze zu Holzacker wurde 1623 beigelegt.

Der Nachfolger von Jürgen v.d. Wisch, sein zweiter Sohn Wulf,  der berüchtigte Junker Ul, tritt als ein mit allen Zeichen eines herrschsüchtigen, habgierigen, grausamen und illoyalen Tyrannen behafteten Junker auf den Plan, der so selbstherrlich geschaltet und gewaltet hat, dass er als Prototyp des herzlosen Gewaltmenschen in die Sage eingegangen ist.
Hier nun ein aktenkundiger Fall unter vielen:
Wulf v.d.Wisch lag im Streit mit seiner Gutsnachbarin, der Witwe Dorothea Andersen auf Boverstedt, wegen widerrechtlich von ihren Feldern fortgeführten Heus. In einem Schreiben des Gottorfer Hofes vom 2.August 1595 an Wulf v.d. Wisch heißt es:
„So vermerken wir doch aus abermaligen derselben ( Frau Andersen) weiteren Supplicieren und klagen, daß Ihr euch unterstanden haben sollt, ihren Diener und andere zwey unserer Herzogen Johann Adolffen undertahnen, welche euch dasselbe unser Schreiben zu überantworten auf euren Hoff geschicket worden, dermaßen
überfallen und schlagen zu lassen, ja dieselben gahr todt zu schlagen euren Leuten zugerufen haben sollet, daß der eine unsere Herzog Johann Adolffen underthan Andres Christensen also verwundet, daß sie, die witwe, ihn auf betten anhero  gen Schleßwig für den Arzten habe führen lassen müßen, wie dann auch ihr Diener dermaßen zugerichtet, daß er fast keine stedte am Leibe habe, so nicht braun und blau geschlagen und daneben auch am rechten Arm sehr verwundet, wie dann das gezeugnus an ihnen, den beiden verwundeten, welche allhie zu Schleßwig zur stedte für Augen und von dem Balbierer sich also erhaltend gestanden werden muß, so werden auch dieselben Abgeschickte einer langen Büchse, Spieße und Huts beraubet für eins“          
Vom Jahre 1669 an ist Fresenhagen nicht mehr im Besitz der Familie v.d.Wisch.
Seine Eigentümer wechseln nun auffallend häufig. Bis 1886 sind es nicht weniger als 26, zunächst adelige, später auch bürgerliche.
Das um 1600 erbaute Herrenhaus besteht 1765 aus dem einstöckigen Wohnhaus  15 Fach lang; ihm schließt sich eine Küche von 4 Fach, eine Milch und Butterkammer und ein Hühnerstall an. Das Haus war reetgedeckt, sein jetziges Pfannendach erhielt es 1912. Von den drei Zwerchgiebeln an der östlichen Langseite entstammt der mittlere über der Tür aus dem 18.Jahrhundert, die niedrigeren linken und rechten wurden erst 1912 hinzugefügt. Auch die zweiflügelige Tür mit geschweiftem Sturz und Oberlicht , die in einem Korbbogeneingang mit proflierter Einfassung angebracht ist, hat ein Alter von rund 200 Jahren, die Maueranker auf der Schmalseite wurden 1788 eingesetzt.


Gut Fresenhagen. Das Foto stammt aus dem Jahre 1964

1765 war der Hofplatz durch ein Plankenwerk eingehegt. Von den drei Gärten in der Umgebung der Hofgebäude wurden zwei vom Hofe und der dritte vom Holländer ( Schweizer ) bewirtschaftet. Die Gebäude, der Hofplatz und die Gärten wurden insgesamt von einem Burggraben umschlossen. Von der früher geübten, herrschaftlichen Gerichtsbarkeit gab ein Strafinstrument Zeugnis: ein hölzernes Pferd, auf das der Delinquent mit Gewichten an den Beinen gesetzt wurde.  
  


Juli 2016                         © 2003 Langer/Knudsen                         Home