Stadumer Chronik

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Die Stadumer als Leibeigene des Fresenhagener Gutadels.

Die Leibeigenschaft war im Laufe des 16. Jahrhunderts im Bereich der Karrharde besonders stark ausgeprägt,  und die Einwohner von Stadum und Holzacker waren bis 1796 Leibeigene des Fresenhagener Adels. Einige Bohlen, Halbbohlen und Kätner gehörten zeitweise durch Kauf, Verpachtung oder Vererbung zu anderen Rittergütern. Einige gehörten auch zum Domkapitel Schleswig. Die Gerichtsbarkeit und die peinliche Befragung (Folter ) lagen bei den Besitzern Fresenhagens.  In den übrigen Harden wurde sie durchweg den Thingstätten der Harden  zugeordnet. Der Grund dafür war wohl, dass es dort eine freie Bauernschaft gab.
 
Die Auflagen der verschiedenen Rittergutsbesitzer gegenüber ihren Leibeigenen war nicht sehr unterschiedlich. So forderten die Fresenhagener  Besitzer außer der Zahlung von Pacht auch Hand – und Spanndienste ein.  Je nach Größe der Höfe mussten zwischen zwei und drei Tagen Frondienste pro Woche abgegolten werden. Die Gutsherren forderten die Frondienste möglichst bei gutem Wetter ein, was zur Folge hatte,  dass die Arbeit auf dem eigenen Anwesen liegen bleiben musste. Die Leibeigenen hatten natürlich auch keinen Zugang zu Jagd oder Fischfang. Wer die Verbote übertrat,  musste mit harten Strafen rechnen.  Das war für Kätner und Insten  besonders hart. Trotz täglich schwerer Arbeit gab es Fleisch nur ganz selten und Fisch
eher gar nicht. Bei schlechten Ernten war die Versorgung keineswegs gesichert.

Das änderte sich  zum Besserem, als die Kartoffel im großen Stil angebaut wurde. Dazu kam es aber erst, als der Bauer Hans Rogler aus Oberfranken 1647, während des 30jährigen Krieges, von einem niederländischen Soldaten Saatkartoffeln bekam, die er in den Boden legte und innerhalb kürzester Zeit einen hohen Ertrag erhielt. Die fränkischen Bauern führten danach einen so erfolgreichen Kartoffelanbau durch, dass der Preußenkönig Friedrich II im Jahre 1745 das Gesetz zum Anbau der Kartoffel in Preußen erließ.

In Schleswig Holstein ließ der  Kartoffelanbau aber noch etwas auf sich warten. Erst als der Propst Lüders aus Glücksburg im 19. Jahrhundert seinen Pastoren anriet, den Anbau der nahrhaften Knolle  von der Kanzel zu predigen, setzte sich auch hier die Kartoffel durch. Nun konnten die Hungersnöte gebannt werden, und  die Menschen wurden auch bei auftretenden Getreidemissernten satt.  

Ehestand:
Wollte ein Mann eine Familie gründen, musste er für sich und seine Braut die Erlaubnis zur Eheschließung bei seinem Lehnsherrn einholen.  In einigen Landesteilen gab es das sogenannte „Recht der ersten Nacht“. Das bedeutete,  dass die Braut die Hochzeitsnacht nicht unbedingt mit ihrem Mann verbringen konnte sondern,  auf Verlangen,  mit dem Gutsherrn das Bett teilen musste. Der Volksmund sagt dazu, dass sich die Brautleute durch Zahlung eines sogenannten  „Stichgroschens“  meistens davon freikaufen konnten. Trotzdem sollen aber Neugeborene öfter mal dem Gutsherrn ähnlich gesehen haben. Ob dieses Recht der ersten Nacht auch von den Fresenhagener Herren eingefordert wurde, ist nicht überliefert.

Wirtschaftliche Entwicklung Fresenhagens  

Albert Panten stellt in seiner Beschreibung von 1986 fest, dass zu der Zeit, als das Gut Fresenhagen 1750 in den Besitz des Hamburger Kaufmanns Colldorf geriet eine Zeit anbrach, in der die Gutsherrschaft Fresenhagens das Leben der Untertanen im Positiven stark beeinflusste.

Obwohl 1745, 48, 50 und 1764 fast der gesamte Viehbestand durch Seuchen hinweggerafft wurde, muss die Zeit unter Colldorf als eine Glanzperiode Fresenhagens und seiner Untertanen in Stadum bezeichnet werden.  

Es wurden genaue wirtschaftliche Aufzeichnungen geführt, und das Gerichtswesen wurde neu organisiert.  Colldorf  vertrat die Ansicht,  dass nur von Leuten, denen es einigermaßen gut ging,  auch Gutes zu erwarten war.  Er sorgte für die Fleißigen und Bemühten, setzte aber die Saumseligen unter Druck.  In den Jahren 1750 – 1760 wurden 15 Halbhufen in Stadum neu gebaut, so dass 1765 im Dorf 15 Halbhufen mit 18 Fach großen Gebäuden,( mit 18 Fach galt ein Gebäude z.d.Z. als komplettes Wohnhaus ) 12 Katen, die Schmiede und die Erbpachtmühle bestanden. In Holzacker gab es vier Halbhufen, eine viertel Hufe und eine Kate.

In einer Aufzeichnung von 1769 finden sich folgende Angaben  über Stadumer Untertanen von Fresenhagen :
Hier wohnen vier Bondenbohlbesitzer und drei Verbittelkätner (Leute, die ein Schutzgeld zahlten) Dann 7 ½ volle Fresenhagener Bohlen und 9 Kätner und 2 Insten.  Die Ländereien werden in Communione genutzet und die Kätner haben keine Gräsungsberechtigkeit. Heide und Moor befinden sich hier zur Notdurft.  Die Aussaat von den vier Bondenbohlbesitzern ist 6 dz Rocken, 1 dz Gerste, 3dz Buchweizen und 32 Fuder Heu.

Zur Aufhebung der Leibeigenschaft muß festgestellt werden,
dass am 8.  Dezember 1796  der damalige Besitzer des Gutes Fresenhagen Peter Petersen seinen 10 Bohlsleuten mit ihren Familien ( 51Personen ) und 17 Katenbesitzern ( 73 Personen ) gegen Zahlung eines Freiheitsgeldes zwischen 20 und 80 Reichstalern die Freiheit gab.  

Zum Vergleich: Die jährliche Pacht einer Hufe betrug 14 Reichstaler.  
Aufgrund des hohen Freiheitsgeldes erklärte ein Hufner, dass er für sich,  seine Frau und die Kinder die Freiheit nicht begehre.

Gleichzeitig konnten die Hufen zu Eigentum erworben werden.  Es wurden auch bestimmte Parzellen des Fresenhagener Gutsfeldes verkauft, so die auf Stadumfeld gelegene Öden Staven = frühere Hausplätze.  Die Schmiede wurde 1797 an Broder Bahnsen verkauft.

Anmerkung:
Als Hufe oder Hube bezeichnete man im Mittelalter den Flächenanteil einer Bauernfamilie an der gesamten Gemeindeflur. (eine sächsische Hufe= 12 ha)

Alle ehemaligen Untergehörigen  blieben aber bis 1854 der Fresenhagener Gerichtsbarkeit unterworfen.

Kleinere Vergehen, 
wie sich in den  Augen der Fresenhagener Herren z. B. der Diebstahl von Schafen darstellte, wurden zu der Zeit schon mal den  Hardesvogten zur Aufklärung übertragen. 
So führten im Dezember 1848 die Stadumer Eingesessenen Meinard Anthon Sievertsen und Peter Karstensen Klage beim Hardesvogt in Leck darüber, dass ihnen Schafe von ihren Koppeln weggekommen seien. Nachdem dieser vergeblich versucht hatte, den Fall aufzuklären, teilte er das negative Ergebnis den Geschädigten und dem Amt in Tondern schriftlich mit.
  

Juli 2016                         © 2003 Langer/Knudsen                         Home