Stadumer Chronik

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Fresenhagener Sagen.

Die meisten Sagen aus dem Gebiet des Gutes Fresenhagen beschäftigen sich mit einem Besitzer namens Wolf, im Volksmund  Junker Ul  genannt.  Es wird angenommen, dass es sich um den älteren Wolf  v.  d. Wisch handelt, den die Sage als Teufel in Menschengestalt schildert. Sie schreibt ihm schlechthin jede erdenkliche Willkür, Grausamkeit und Bosheit zu. Junker Ul ist ein Mann gewesen, der sich, wenn er auch nur einen Schein des Rechts zu haben glaubte, mit jedem anlegte, einerlei ob Fürst, Standesgenosse, bäuerlicher Nachbar oder gar sein Untertan, über dessen Leib und Leben er ja Herr war.  
Im Sonntagsblatt der Flensburger Nachrichten von 1888 ist in einem Artikel über den Landadel in den Herzogtümern nachzulesen, dass  „ein Teil des jüngeren Adels sich um 1645  durch ein wüstes und brutales Betragen den Bürgern und Bauern gegenüber bemerkbar machte.“
Diese Art des Umgangs mit Menschen passt sehr gut zu dem Bild, das der Volksmund  von Junker Ul überliefert hat. Inwiefern der ältere Wolf v.  d.  Wisch seinen bösen Ruf wirklich verschuldet hat, lässt sich wohl nicht mehr entscheiden.
Der Sage nach aber war Junker Ul äußerst grausam und rechnete auf ein Menschenleben gar nichts.  Wenn seine Knechte oder Jäger durch irgend Etwas seinen Zorn erregten, so konnte es ihm einfallen,  dieselben  sogleich auf dem Hofplatz zu erschießen.  
Als eines Morgens eine Magd lachend durch die Küche ging,  glaubte der Junker,  sie belustige sich über ihn.  Er ließ sie zur Strafe an den Ofen anbinden, der auf seinen Befehl so heiß gemacht wurde, dass das Mädchen verkohlte.  
Eine andere Tat unmenschlicher Grausamkeit, die er oft begangen haben soll bestand darin, dass er seine Hunde, deren er als leidenschaftlicher Jäger 39 gehabt haben soll, auf ihm zufällig begegnende oder auf dem Felde beschäftigte Menschen hetze, die dann von der blutgierigen Meute zerfleischt wurden.  
So nahm er, als er auf einem seiner Jagdzüge nach Karlum kam,  einer vor ihrem Haus sitzender Mutter das Kind vom Schoße und warf es unter die Hunde, und als die entsetzte Mutter weinte und schrie,  sagte er im Weitergehen: Ach, was kümmert mich ein lausiges Kind.
Der Jagd war Junker Wolf so leidenschaftlich ergeben, dass er seine Seele dem Teufel verschrieb,  um dafür ewig jagen zu dürfen. Kein Wunder also, dass einem so schrecklichen Leben ein grauenvoller Tod folgte.
Junker Wolf wurde  lebendigen Leibes von Würmern verzehrt. Der Arzt, der zu ihm gerufen wurde sagte entsetzt : Herr Ritter, Euch vermag ich nicht zu kurieren. Fast ist es so, als ob Euch der leibhaftige Teufel zu fassen habe.  
„ So wird's sein, “ knirschte der Kranke, “ aber so soll der Teufel mich auch kurieren.“

Sein Leib wurde in den Wiesen westlich vom Hof begraben. Einige behaupten aber, er sei bei Iversacker begraben worden. Diese Stelle war von nun an verflucht.  Wer sie betrat, versank in die Erde hinein,  Mensch wie Tier.  
Junker Wolf fand im Grabe keine Ruhe. Ewiges Jagen war sein Wunsch gewesen, jetzt war das sein unabänderliches Schicksal. Wenn ein ihm vorausgehendes , unheimliches Sausen seine Annäherung verriet, suchten ringsum auf den Feldern die geängstigten Menschen vor ihm und seiner Meute sich zu verbergen. Wer dennoch den Mut hatte aufzublicken, sah ihn, wie er seine Hunde antrieb und das Wild vor sich her jagte, und nie mehr verlor er diese schaurige  Erscheinung.  
Im Wohnhaus zu Fresenhagen ist auf dem Boden nach Süden hinaus eine Kammer, Junker Wolfs Kammer genannt, in der Tag und Nacht vollständige Finsternis herrschte. Man hat unzählige Male versucht, dem Lichte Eingang zu verschaffen.
Wenn man dort aber bei Tage ein Fenster angebracht hatte, war es in der Nacht jedes Mal wieder herausgerissen, bis man zuletzt das vergebliche Bemühen aufgab und die Kammer dunkel bleiben ließ. Wie im Wohnhaus machte auch in den Nebengebäuden,  namentlich aber im Stalle allerlei Spuk sich bemerkbar. Damals schliefen die Futterknechte in einer Kammer neben dem Stalle.
Einer derselben wurde in einer Nacht durch ein polterndes Geräusch geweckt und begab sich in den Stall. Dort fand er einen Ochsen, der sich losgerissen hatte. Der Knecht band demselben ein Seil um die außergewöhnlich weit voneinander abstehenden Hörner, und suchte nun in der Reihe der Ochsen den leeren Platz. Es war ihm aber nicht möglich, eine Lücke zu entdecken. Nach einigen Versuchen stand er davon ab,  und band den Ochsen an den Türpfosten.  Am nächsten Morgen hing an diesem das Seil, die Knoten noch fest geschlungen, aber sämtliche Ochsen standen regelrecht angebunden auf ihren Plätzen.  
Diese unerklärlichen Geschehnisse sind sämtlich nach mündlichen Überlieferungen aufgezeichnet worden, die der Volksmund dem Junker Ul anlastet. Ob zu Recht oder nicht bleibt im Dunkel.
Dokumentiert ist aber, dass Wulf v.  d.  Wisch ein ungewöhnlich streitbarer Herr war.  Durch Gerichtsprotokolle wird nachgewiesen,  dass er mehr als 40 Jahre um die Birkenwiese, das Mühlenwatt und Süderker bei Achtrup prozessiert hat.

 


Juli 2016                         © 2003 Langer/Knudsen                         Home